Laudatio
Lauditio für Stefan Werner Dick
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Prof. Dr. Schiemann, Theaterförderverein Halberstadt
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ein zerbombtes Theater als Kulisse, und inmitten der Trümmer des Theaters und seines Lebens Michael Kohlhaas – „einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit“: verzweifelt, wütend, anrührend.
Ich sehe das vielschichtig und sensibel inszenierte „Stück für einen Schauspieler“ 3 Jahre nach dem Überfall Putins auf die Ukraine, einen Tag nach dem Treffen von Selenskyj und Trump im Weißen Haus, mit Trumps absurden Anschuldigungen. Ich bin gebannt von der ersten bis zur letzten Sekunde. Ich denke „Es wird nie aufhören.“ Es erfasst mich unmittelbar, ich mag nach dem Theaterbesuch nicht darüber sprechen.
Meine Damen und Herren, die faszinierende Darstellung des Michael Kohlhaas war der Auslöser, aber nicht der alleinige Grund für die Entscheidung der Jury zur Verleihung des Theaterpreises 2024/2025. Erinnern wir uns an den Dorfrichter Adam im „Zerbrochenen Krug“, den Schlomo Herzel in „Mein Kampf“, den Alfred Ill im „Besuch der alten Dame“, den Paul Sheldon in „Misery“ oder an Mattis in „Ronja Räubertochter“. Und an den Nathan, den Stefan Werner Dick 2017 hier im Harztheater gespielt hat, und der 2029 – 250 Jahre nach seiner Entstehung – wieder auf diese Bühne kommen sollte.
Und damit habe ich verraten, wer für seine herausragende Einzelleistung mit dem Theaterpreis 2024/2025 geehrt wird: Stefan Werner Dick.
Lieber Stefan, als ich Dir die freudige Nachricht überbracht habe, war Deine Reaktion: „O Gott o Gott, warum denn ich?“ Deine spontane Reaktion war so typisch für Dich. Du bist nicht der Superstar, der sich in den Vordergrund drängt. Als Spielpartner wirst Du geschätzt – von Deinen Kollegen und auch vom Publikum.
Das Pferd, das zieht, wird vorgespannt – Seit Herbst 2016 lässt Du Dich hier bei uns am Harztheater vorspannen. Du ziehst den Theaterkarren, und Du ziehst die Zuschauer in Deinen Bann – überzeugend, unprätentiös. Du beschreibst Dich als selbstkritisch und grundskeptisch – eine gute Voraussetzung, um den „Menschen in seinem Zwiespalt“ darzustellen. Und wenn Du mit großer Sensibilität eine Figur darstellst, dann bist Du auch der „Anwalt Deiner Figur“. Und Du scheust Dich nicht, in Rollen zu schlüpfen, die Dich nicht gerade sympathisch aussehen lassen. Auf meine Frage, welche Rolle Du ablehnen würdest, war Deine Antwort: „Wenn die Rolle ideologisch missbraucht wird.“
Lieber Stefan, ich bitte Dich, auf die Bühne zu kommen und Dich mit dem Theaterpreis ehren zu lassen.
Laudatio auf Rosmarie Vogtenhuber-Freitag
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Dr. Jörgen Kohl Theaterförderverein Halberstadt
Laudatio für Rosi
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
erlauben Sie mir bitte noch ein paar Minuten für eine besondere Ehrung.
Es gibt Menschen, die leisten Erstaunliches. Meist im Stillen oder eher im Verborgenen. Und ihre Leistung wird oft nicht vordergründig wahrgenommen. Und diese Menschen passen deshalb auch nicht in ein bestimmtes Raster.
So eine Frau ist Rosmarie Vogtenhuber-Freitag.
Rosmarie ist ein Geschenk für diese Welt und dieses Theater. Es gibt so vieles, das ich an ihr schätze und wofür ich sie bewundere… aber, ist sie eine Solokünstlerin?
Rosis Handeln und Schaffen vereint zwei Attribute in besonderem Maße: Klugheit und Kreativität. Sie hat es aus eigener Kraft geschaft, an der renommiertesten Hochschule für Regie in Österreich angenommen zu werden. Hat dort mit namhaften Regisseuren, Autoren und Freigeistern des 20. Jahrhunderts gearbeitet und nach einigen Jahren freischaffender Tätigkeit eine feste Anstellung am Harztheater als Dramaturgin und Hausregisseurin Schauspiel angenommen. Und in diesen Jahren hat sie die Sparte Schauspiel maßgeblich geprägt. Wir verdanken ihrer Regie zahlreiche emotionale und berührende, traurige, lustige, aber immer tiefgründige Momente auf der Bühne. Sie versteht es wie keine andere, auch auf kleinen Bühnen Räume zu schaffen, von denen die Zuschauer sich niemals vorzustellen vermochten, dass es sie überhaupt gibt.
Sie ist also zweifellos eine Künstlerin. Aber eine Solistin? Ich glaube, eher nicht…
Rosi ist ein unerschöpflicher Quell an neuen Ideen und Aktivitäten. Sie ist dabei stets von altruistischen Gedanken getrieben. Nie geht es ihr um sich selbst, immer darum, den Menschen neue Ansichten zu vermitteln, den Einblick in eine andere Welt zu gewähren, wertzuschätzen, zu bereichern. Dabei geht sie oft bis an die Grenzen ihrer eigenen Kraft. Sie ist einer der fleißigsten Menschen, die ich kenne. Es kann schon einmal passieren, dass man 6 oder gar 7 Stunden lang keine Mail von ihr bekommt… die meisten Menschen würden das als Schlaf bezeichnen.
Meine Damen und Herren, die Theaterfördervereine zeichnen in jedem Jahr Solokünstler und Produktion aus. Aber wie ehrt man eine Frau, die nicht in dieses Raster passt? Alle paar Jahre verleiht die Theaterpreisjury daher eine besondere Auszeichnung und so ist es auch in diesem Jahr wieder so weit.
Der Sonderpreis der Jury 2025 geht an Rosmarie Vogtenhuber-Freitag.
Laudatio auf La Traviata
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Laudatio auf La Traviata
Dr. Ulrike Lohwasser, MTV Quedlinburg
Liebes Theaterpublikum, lieber Herr Rieger, liebes Team des Harztheaters,
mir wird heute die große Ehre zuteil, die Laudatio auf die beste Inszenierung der Spielzeit 2024/2025 zu halten. Die Jury hat sich sehr schnell und einstimmig auf dieses Werk festgelegt. Wir ehren heute eine Produktion, die nicht bloß aufgeführt wurde, sondern die uns berührt, in ihren Bann gezogen und das große Theater in seiner ganzen Kraft erlebbar gemacht hat: La Traviata.
Giuseppe Verdi schrieb mit La Traviata eines seiner bewegendsten Werke – ein Opus voller Liebe, Leidenschaft, Schmerz und gesellschaftlicher Brüche. Die Geschichte der Violetta Valéry, der Kurtisane, die trotz schwerer Krankheit nicht von der Hoffnung auf Liebe lassen kann, ist eine Parabel auf das Menschsein: Wie leben wir, wenn wir lieben? Wie stark sind die Mauern, die die Gesellschaft uns errichtet? Und wie groß ist die Würde eines Individuums, das sich erhebt gegen das Urteil der Anderen?
Das Harztheater hat sich dieser Aufgabe gestellt – und mit Respekt und Mut eine Produktion geschaffen, die all dies nicht nur erzählt, sondern spürbar macht. Unter der musikalischen Leitung von Harutyun Muradyan begegnet uns Verdis Partitur in voller emotioneller Klarheit und musikalischer Tiefe. Die Harzer Sinfoniker, der Opernchor des Hauses und die Verstärkungschöre formen ein Klangbild, das nicht nur unterstützt, sondern mitreißt und trägt.
Regisseur Oliver Klöter und sein Ausstatter Darko Petrovic haben mit ihrer Inszenierung eine visuelle und szenische Sprache gefunden, die Violettas innere Zerrissenheit, ihren Mut und ihre Zerbrechlichkeit nicht schildert, sondern leben lässt. Ein ausdrucksstarkes Bühnenbild, eine klare Personenführung und eine szenische Kraft, die sich nicht in Effekten verliert, sondern dem Kern des Dramas nachspürt – all dies machte die Inszenierung zu einem Gesamtkunstwerk.
Die Besetzung trägt diese Vision mit hoher Kunstfertigkeit: Violetta Valéry, gesungen von Jessey-Joy Spronk, lotet das Spektrum zwischen Glanz und Verzweiflung aus, Alfredo Germont (Max An / Francisco Huerta) und Giorgio Germont (Juha Koskela) sind sowohl Dialogpartner als auch Spiegel für Vorstellungen von Ehre, Verpflichtung und Opfer. Aber auch die Nebenrollen sind hervorragend besetzt, Flora (Regina Pätzer), Annina (Stephanie Goodwin), und alle anderen – bringen Tiefe, Glaubwürdigkeit und Engagement in ihre Rollen.
Aber vor allem: La Traviata in dieser Fassung am Harztheater war ein Geschenk an das Publikum. Eine Inszenierung, die zeigt, dass Oper nicht Vergangenheit ist, sondern Gegenwart sein kann. Eine Inszenierung, die Mitgefühl weckt, wachrüttelt – und die, wenn die letzte Note verklungen ist, nachklingt in unseren Herzen.
Für mich persönlich war diese Inszenierung mehr als nur ein Opernabend. Ich habe gespürt, warum ich das Theater so liebe: Weil es Momente schafft, die unvergesslich sind, mir standen am Ende die Tränen in den Augen.
Herzlichen Glückwunsch an La Traviata
Demnächst
| 15 Dez. 2025 18:00 Uhr - Weihnachtsfeier für Vereinsmitglieder |
| 16 Feb. 2026 17:00 Uhr - Mitgliederversammlung |
| 08 März 2026 13:00 Uhr - Theaterfahrt nach Leipzig |
| 07 Apr. 2026 19:30 Uhr - Rampenlicht Spezial -Dreigroschenoper |
| 22 Apr. 2026 18:00 Uhr - Rampenlicht Reingeschaut - Bezahlt wird nicht |