Theaterpreisverleihung 2016

Bereits zum zehnten Mal wurden die jährlichen Theaterpreise durch den Theaterförderverein Halberstadt und den Musik- und Theaterverein Quedlinburg am 12.11.2016 vergeben.

Das 2. Sinfoniekonzert der Saison in Quedlinburg unter dem Titel "Klassik und Vision" war ein würdiger Rahmen für die Preisverleihung.

Wir gratulieren ganz herzlich dem Sänger Juha Koskela zum Theaterpreis für seine Darstellung des Rigoletto in der gleichnamigen Oper und ebenso dem Team der Inszenierung "Faust" zum Theaterpreis  für die beste Inszenierung.

Wir danken an dieser Stelle unserem Vereinsmitglied, Herrn Mette-Braem aus Braunlage, welcher auch in diesem Jahr das durchaus beachtliche Preisgeld stiftete.

-->Artikel in der Mitteldeutschen Zeitung

Impressionen (alle Bilder von Jürgen Meusel, Ballenstedt)

 

Laudatio von Heidi Escher:

Laudatio

für Juha Koskela

Den Theaterpreis 2016 erhält heute Juha Koskela für die hervorragende künstlerische Darbietung des Rigoletto in Verdis beliebter Oper.

Rigoletto - der buckelige, gehässige kleine Hofnarr und Juha Koskela, der liebenswerte, freundliche 1,92m große Bariton - welch ein Kontrast.

Bei den Karajan-Festspielen Baden Baden 2004 wurde Gregg Baker vom Intendanten ausgeladen mit der Begründung, dieser Sänger sei so schön und groß, einem 2m-Modell-Athleten würde man den buckligen Hofnarren einfach nicht abnehmen. Unser Theater hatte mehr Mut.

Juha Koskela ist seit Herbst 2005 am Nordharzer Städtebundtheater und kommt, wie sicher alle wissen, aus Finnland. Er ist dort an der Finnischen Nationaloper Helsinki , bei den Savonlinna Opernfestspielen und in Deutschland bei den Rheinfestspielen und in Schwetzingen aufgetreten, nur um einige Stationen außerhalb unseres Theaters zu erwähnen. In nunmehr 11 Jahren hat er sich in unsere Herzen gesungen. Ich möchte hier nicht die vielen Rollen aufzählen, die Juha seitdem verkörpert hat.

Immer wieder gab es für ihn besondere Herausforderungen, denen er sich stellte, auf die er reagierte. Kritik war und ist für ihn stets Anlass, die Ursachen zu beseitigen. Als er im "Lohengrin" für sein nicht gutes Deutsch kritisiert wurde, nahm er es sich sehr zu Herzen, reagierte umgehend und das spürte man bereits bei den nächsten Vorstellungen. Im "Vampir" hatte er große Mühe mit den künstlichen Zähnen zu singen, das gelang ihm schließlich perfekt. Besonders anstrengend waren für ihn die Rollen des Bösen in "Hoffmanns Erzählungen".

Gesanglich entwickelte sich Juha Koskela ständig. Er nimmt auch jetzt noch regelmäßig Unterricht, um immer besser zu werden, denn Singen ist seine große Leidenschaft. Heute prägt seine kraftvolle Stimme das Profil unseres Theaters maßgeblich mit und wir sind darüber glücklich.

Anfangs fiel es Ihm nicht immer leicht, Gesang, Gestaltung der Rolle und die sprachlichen Anforderungen in Einklang zu bringen. Doch das ist ihm Schritt für Schritt gelungen und auch deshalb ehren wir ihn für Rigoletto, seine bisher wohl liebste Rolle, wie er es empfand, und dem können wir nur zustimmen.

Rigoletto ist bekanntlich eine überaus widersprüchliche Persönlichkeit - der zynische, hinterhältige Hofnarr, skrupellos, aber auch voller Angst um seine Tochter Gilda. Wie Juha dieses Rollenportrait in beeindruckender körperlicher, stimmlicher Präsenz und Vielschichtigkeit entwickelte, begeisterte uns. Er setzte seine Größe ein, wirkte tapsig wie ein Tanzbär, seine Augen schleudern Blitze, seine Beine schlenkerten, humpelnd und stolpernd bewegte er sich zu Verdis Musik. Ja Juhela, du warst der böse, hinterhältige Hofnarr ohne Skrupel, aber auch der ängstliche fürsorgliche Vater - neudeutsch könnte man Helicoptervater sagen. Der liebende Vater - du magst Kinder sehr. Das spürt man im Umgang mit deinen Söähnen und es war besonders fühlbar im Spiel mit der kleinen Gilda.

So nebenbei möchte ich erwähnen, dass du seit kurzem an der PRIMA Gitarrenschule als Gesangslehrer tätig bist, auch für Kinder.

Rigoletto scheiterte am Ende an seinem Hass, seiner Rachsucht. Juha Koskela feierte einen großen Erfolg. Ich könnte hier noch weiter schwärmen. Doch diejenigen unter uns, die dich als Rigoletto erlebt haben, wissen wovon ich rede.

Im Namen des Musik- und Theatervereins Quedlinburgg und des Theaterfördervereins Halberstadt gratuliere ich dir, lieber Juha Koskela, von ganzem Herzen. Wir wünschen dir weiterhin viele schöne interessante Rollen, Glück, Gesundheit und Freude mit deinen Kollegen und deiner Familie.

 

Laudatio von Ernst-Ulrich Jürgens:

Laudatio

für "Faust 1. Teil"

Wenn wir von Goethes Faust sprechen, so haben wir sofort eine große literarische Schöpfung und ein klassisches Erbe der deutschen Dichtkunst vor Augen. Es gibt wohl kein Theater, das nicht schon den Faust aufgeführt hat, so auch unser Haus. Ich persönlich kann mich an 5 Inszenierungen erinnern, die mich auf ganz unterschiedliche Weise sehr beeindruckt haben.

Am 10. Oktober 2105 haben wir hier am Nordharzer Städtebundtheater die Premiere "Faust 1. Teil" erleben dürfen. In der spannenden Inzenierung von Regisseur Philip Jenkins war es trotz leicher Veränderungen ein großes Theatererlebnis und trotz einiger Kürzungen blieb der dramatische Fluss erhalten, sodass die Aufführung einen starken Eindruck hinterließ.

Bühnenbild, ein Theater im Theater, und Kostüme lagen in der Hand von Andrea Kaempf, die ihre Aufgabe mit Bravour löste.

Außergewöhnlich war die Rolle des Faust besetzt, mit zwei Schauspielern unterschiedlichen Alters. Arnold Hofheinz als alter Faust überzeugte durch besondere Reife in seiner Darstellung. Sebastian Borucki gestaltete den jungen Faust mit jugendlichem Lebensdrang.

Gerold Ströher bewältigte die große Rolle des Mephisto meisterlich und bewies dabei außerordentliche körperliche Ausdruckskraft.

Lisa Marie Liebler beeindruckte die Zuschauer durch ihr starkes und besonders ergreifendes Spiel bis zum Schluss.

Mona Luana Schneider als Marte, Julia Siebenschuh als Wagner, Curdin Caviezel als Valentin und Swantje Fischer als Lieschen zeigten alle eine sehr gute schaupielerische Leistung.

Für den Theaterpreis 2016 hat sich die Jury einstimmig für dieses herausragende Theaterstück entschieden. Herzlichen Glückwunsch allen Mitwirkenden!

 

 

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